Geheimnisse?

Mitunter ist es schwer, den Therapeuten in unsere Seele schauen zu lassen. Wir verheimlichen ihm manchmal Gedanken, Vorlieben oder Fantasien usw. - manche beziehen sich sogar auf den Therapeuten. 

Viele Menschen haben Bereiche in ihrem Innenleben, für die sie sich schämen, und trauen sich darum nicht, sich ihrem Therapeuten zu offenbaren. Oft sparen sie dabei allerdings sehr wichtige Lebensthemen aus, und folglich kann die Therapie nicht die gewünschten Fortschritte machen. Denn oft sind es genau unsere Tabu-Themen, die uns in unserer Entwicklung blockieren. Ein wichtiges Ziel der Therapie ist es, ein vertrauensvolles Verhältnis zum Therapeuten zu entwicklen, damit wir uns ihm so zeigen können, wie wir wirklich sind. Das kann eine sehr befreiende Erfahrung sein. 

Mir ist es wichtig, Ihnen mitzuteilen, dass ich nichts bewerte oder gar beurteile. Ich glaube, ich habe in all den Jahren im Therapiezimmer noch nichts gehört, was ich nicht verstanden oder wofür ich kein Mitgefühl empfunden hätte. Ich versuche immer mit dem Klienten oder der Klientin zu ergründen, was etwas zu bedeuten hat, welche Geschichte es hat und wie sich damit umgehen lässt. In meinen Augen ist Scham also überflüssig, auch wenn ich sie oft gut verstehen kann. Ich bin aber überzeugt, dass wir alle unsere Abgründe haben, in die wir andere nicht so gerne schauen lassen.

Mein Rat: Versuchen Sie, Geheimnisse in der Therapie anzusprechen! Warten sie nicht zu lange! Die gemeinsame Arbeit an einem schwierigen Thema ist außerdem ein guter Indikator dafür, ob Sie beim richtigen Therapeuten gelandet sind. Aber natürlich sollten sie es auch nicht überstürzen. Es braucht seine Zeit, bis Sie sich reif dafür fühlen, sich dem Therapeuten anzuvertrauen.

Natürlich steht der Therapeut unter Schweigepflicht. Er darf nie einem anderen etwas aus dem Therapiezimmer so erzählen, dass dieser Rückschlüsse ziehen kann, um wen es sich dabei handeln könnte. 

Mehr zum Thema Geheimnisse und zu vielen anderen Fragen, die Nutzer von Psychotherapie haben, finden Sie in meinem Buch „Mut zur Psychotherapie“.